70.3 Bahrain – Dieter experimentell unterwegs

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Es gibt diese Tage, da läuft man spät in der Saison über die Ziellinie und weiß, das war es noch nicht. Unzufrieden mit der eigenen Zeit und Performance ist man innerlich auf der Suche nach Erklärungen. Das Beste was man sicherlich machen kann ist, ein paar Tage drüber nachdenken. Nach dem Finish beim 70.3 auf Rügen hatte ich zwangsläufig ein paar Tage zum Nachdenken Zeit, denn ich war erst mal eine Woche auf Dienstreise mit geplant keinem Sport.

Es war irgendwie im Hotelzimmer auf dem Bett liegend als mir der Gedanke kam, nach einem weiteren noch späteren Wettkampf im Jahr zu suchen. Bisher war die Triathlonsaison in den 25 Jahren, in denen ich diesen Sport betreibe, spätestens Mitte September beendet. Also im Internet geschaut, was es noch so gibt und realistisch ist. Aber so richtig war es noch nicht klar. Stattdessen schnappte ich mir meine Badehose, die ich zum Glück mit hatte, und eins der T-Shirts und ging ins Gym vom Hotel. Zum ersten Mal bin ich auf einem Laufband gelaufen, na ja sagen wir mal gewankt. Laufen war das nicht. Aber 30min waren rum und am nächsten Tag stand ich wieder drauf. Es lief besser über die Stunde fünfzehn. Also der Auftakt war gemacht, aber für was?

Wieder zuhause musste ich erst Nina erklären, was auf sie zukommt. Aber relativ unkompliziert kam die Zustimmung und es musste nun ein Wettkampf her. Während es Laufbandtrainings hatte ich auch immer den Artikel über den Lionel Sanders im Kopf, der fast alles Training indoor abspuhlt – irre. Aber… sollte… doch… möglich… sein…? Gut damit war für mich auch klar, sowas machen zu können. Rolle ist vorhanden und mit dem Wattmesssystem an den Pedalen kann man das Training doch gut steuern. Laufen geht eh immer irgendwie und Schwimmen auch.

Nach einigen Diskussionen über die möglichen Wettkämpfe im Oktober reduzierte sich die Liste schnell für mich auf Null. Da waren wir nun schon im November. Hmmm. Ich konnte mich auch noch gut an eine Unterhaltung mit dem Olli D. erinnern, der sich mal für die 70.3 WM bis Anfang November vorbereitet hatte. Er sagte irgendwas von „nervig wegen dem Wetter und Tageslicht“. Trotzdem gingen wir den Kalender durch und gelangten immer wieder auf den Wettkampf in Bahrain am 25.11. Doch sehr spät, aber die ganzen anderen Rahmenbedingungen wie Flüge, Zeitverschiebung, Klima, Kosten, Streckenprofile, etc. sprachen dafür. Kurzentschlossen wurde die Onlineregistrierung durchgeführt und dann stand es fest.

Bis Ende Oktober verlief das Training auf dem Rad draußen auf den Straßen. Nur einmal bin ich auf meine Rolle ausgewichen und konnte die Wattzahlen von der Straße nicht realisieren. Dank den immer wieder inspirierenden Gesprächen mit Oli L. wusste ich, dass es geht und es musste eine andere Rolle her. An dieser Stelle vielen Dank an Christoph für das freundliche und selbstlose zur Verfügung stellen seiner doch moderneren Rolle.

Beim Lauftraining machte ich für meine Verhältnisse Fortschritte, was mich hoffnungsfroh stimmte. Um das Schwimmen habe ich mich fast nicht mehr gekümmert, denn die Form von Rügen wollte ich halten, was aber auch mit minimalem Aufwand für mich möglich ist. Nun kam der November und mit der Zeitumstellung auf die Winterzeit und dem gefühlt schlagartigen Ändern der Witterung kam Radfahren draußen nicht mehr in Frage. Also mühte ich mich indoor auf der Rolle ab und hab so in einer Stunde schon mal drei Handtücher mit Schweiß durchnässt. Nun kann man sich vorstellen, dass nach drei Stunden der Vorrat aufgebraucht und das Fach für die Handtücher im Schrank leer war. Egal. Nina hat immer dafür gesorgt, dass zur nächsten Einheit wieder saubere Handtücher und auch Sportklamotten verfügbar waren.

Dann waren auch diese knapp drei Wochen indoor experience vorbei und der Flieger startete Richtung Arabien. Mir war klar, dass ich erst während des Wettkampfes sehen werde, ob das Experiment klappt, also das Training ausreichend war und ich meine Erwartungen an mich erfüllen kann. Wie fast bei jedem Wettkampf hatte ich Ziele definiert, die in absteigender Reihenfolge erreicht werden sollten. Da war zuerst das Finishen. Für mich bekloppt genug im November in einem fremden Land auf unbekannten Strecken einen Wettkampf zu machen. Die Radstreckenerkundung mit dem Mietwagen war hilfreich, um sich vertrauter zu machen. Interessant sollten die 8 Kilometer auf der Formel 1 Strecke von Bahrain werden, denn die konnte man vorher nicht abgefahren. Die Laufrunde von 5 km war welliger als gedacht und kumuliert waren es doch einige Höhenmeter. Aber das Finish sollte mit Konzentration irgendwie möglich sein.

Natürlich wollte ich auch die Zeit von Rügen verbessern. Das Schwimmen im Persischen Golf konnte ich nur schwer einschätzen. Unter dem Strich bin ich bei beiden Wettkämpfen fast auf die Sekunde genau die gleiche Zeit geschwommen. Beides Mal mit Neo und im Salzwasser, obwohl man die Ostsee im Vergleich als Süßwassersee bezeichnen kann. Der deutlich kürzere Weg vom Schwimmausstieg zur Wechselzone und innerhalb der Wechselzone bedeutete schon ein kleines zeitliches Guthaben. Und die 100m weniger Höhenmeter auf der Radstrecke sollten mir doch auch entgegenkommen. Eigentlich. Denn am Wettkampftag blies der Schamalwind derartig stark, dass zum einen der Radcheckin von Freitag abgesagt wurde und die Räder erst Samstagmorgen eingecheckt werden konnten und zum anderen hat der Wind das Radfahren echt zu einer anstrengenden Sache werden lassen. Das ewige Gezerre am Lenker, um den starken Böen entgegen zu wirken, hat Kraft gekostet. Und leider auch etwas Zeit. Eine Minute und ein paar Sekunden benötigte ich für den Radpart mehr als noch auf Rügen. Trotzdem war ich zuversichtlich. Beim Laufen hatte ich mich ja im Training verbessert und den 2 Minuten Dixi-Stopp in Rügen, konnte ich mir hier auch verkneifen. Außerdem gelang es mir, mich auf dem Rad besser und kontinuierlicher zu verpflegen als gut zwei Monate zuvor. Die erste Laufrunde lief so wie angedacht. Alle Werte stimmten. Trotzdem ging es auf der zweiten von vier Runden los, dass es schwerer wurde. Aber auch das kennt man ja. Zum Wendepunkt mit einer Verpflegungsstelle ging es bergauf. Nach dem Turn bergab mit extremen Gegenwind. Immer wieder Böen auf der gesamten Strecke, die mir nicht entgegenkamen. Und so trotte ich über die Runden immer angefeuert von Nina.

Nun, was mich motiviert hat ist, dass ich außer bei den Verpflegungsstellen immer gelaufen bin und dem Ziel näher kam. Ich wollte unbedingt das Finishergeschenk bekommen. Außerdem kämpfte ich noch um mein drittes Ziel, nämlich unter 5 Stunden zu bleiben. Anfängerhaft wie ich war, hatte ich keine Ahnung über meine Gesamtzeit, weil beim Schwimmstart habe ich erst bei der ersten Boje die Uhr gestartet und dann im Verlauf des Rennens die falschen Knöpfe gedrückt und alles war weg.

Beim Zieleinlauf sah ich auf der Uhr zu meiner großen Enttäuschung, dass es nicht gereicht hat. Bei 5:03:56h blieb die Uhr für mich stehen. Das Laufen war einfach genau die Minuten zu langsam.

Kaputt und ausgelaugt saß ich bei der Zielverpflegung und haderte mit mir. Selbst die guten Worte von Nina konnten mich nicht aufmuntern. Als einer der ersten holte ich das Rad und die übrigen Sachen aus der Wechselzone und wir fuhren zurück zur Unterkunft.

Am Abend gingen wir zur Siegerehrung, wo wieder ein gigantisches Büffet auf uns wartete, wie auch schon beim Empfang mit der Wettkampfbesprechung. Hierbei ließen die Scheiche echt alles auffahren und die Supporter der Athleten kamen immer mit rein ohne etwas dafür bezahlen zu müssen. Zu erwähnen ist auch das Finisherpresent. Erwarteten wir ein T-Shirt, so gab es hier in der Wüste eine Daunenjacke. Jedenfalls hatte sich meine echt miese Stimmung etwas gelegt und wir aßen gemeinsam mit anderen Triathleten und unterhielten uns. So verging die Zeit bis zur Slotvergabe. Der Moderator kündigte an, dass nicht wie veröffentlicht 40 Slots vergeben werden, sondern 75 zur Verfügung stehen. Was soll ich sagen, eigentlich war so ein Slot gar nicht mein Ziel. Als für meine Altersklasse die Vergabe begann, guckte man natürlich, wer einen Slot bekommt und wer keinen annimmt. 8 Slots waren für die AK 45-49 vorgesehen und ich auf dem 13. Platz. Die ersten Slots gingen schnell weg. Ab und zu meldete sich keiner und den Slot bekam der nächste. Nur noch ein Slot war zu vergeben. Auf Platz 12 ein Russe. Sein Name wurde aufgerufen… Keine Antwort. Ein zweites Mal… Keine Antwort. Ein drittes Mal… Keine Antwort.

Ja. Dann war mein Name an der Reihe und ich rief „Here“ und „Yes“. Applaus wie für jeden anderen auch und so bin ich für die 70.3 WM 2018 in Südafrika qualifiziert.

 

 

Swim 31:14 Min

Bike 2:35:34 Std

Run 1:51:44 Std

TOTAL 5:03:56 Std

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