Ironman Maastricht – Limburg 2016

Vor ziemlich genau einem Jahr, saß ich auch vor diesem Computer und meldete mich für den Ironman Maastricht – Limburg an. Als die Anmeldung abgeschlossen war, dachte ich nur – bist du verrückt?!

So begann das Abenteuer, das mit den Worten „YOU ARE AN IRONMAN“ enden sollte. Die Vorbereitung war sehr durchwachsen. Immer wieder wurde ich durch diverse Erkältungen zurückgeworfen. Insgesamt waren es in diesem Jahr elf Wochen, in denen ich aufgrund von Krankheit meinen Trainingsplan nicht abspulen konnte. Jedoch hatte ich im März ein gutes Trainingslager und auch viele gute Abschnitte in denen ich ausreichend Kilometer sammeln konnte. So kam es nun, dass ich am 31. Juli 2016 mit 4500 Radkilometern, 850 Laufkilometern und im Schnitt 5,6 Schwimmkilometern/ Woche mich in der langen Schlange des Startfeldes wiederfand.

image1

Ein rollender Start sollte um 07:15 Uhr erfolgen und ich hatte mir überlegt mich am hinteren Ende des 60 Minuten Blocks einzureihen. Um 06:50 Uhr musste ich feststellen, dass dieser Plan schon nicht mehr aufging. Der erste Block war voll und ich durfte etwas später im 70 Min. Block starten. Dann kam er, der Moment des persönlichen Starts. Es war bereits 07:34 Uhr als ich mich in die Fluten der Maas stürzte. Die ersten 1,7 km waren geprägt von vielen Überholmanövern, denn anscheinend gab es viele die sich selbst etwas falsch eingeschätzt haben. Nach ca. 400 m überholte ich die ersten Brust und Rückenschwimmer und mir wurde klar, da hat der eine oder andere das Prinzip des „Rolling Starts“ nicht ganz verstanden. Ich versuchte locker zu bleiben, denn der Tag würde noch lang genug werden und so achtete ich auf meine 4er Atmung und einen sauberen Zug mit einer guten Gleitphase. Die ersten 1700 Meter waren geschafft und ein kurzer Landgang stand an. Jetzt freute ich mich auf den Rückweg, denn ab jetzt hatte ich den Vorteil der Strömung auf meiner Seite. 1900 Meter später der nächste Wendepunkt und jetzt wusste ich es waren nur noch 200 m bis zum Schwimmausstieg. Es war ein gutes Gefühl und puschte mich enorm, als ich am Ausstieg auf meine Uhr drückte und genau 1:00:00 Stunde ablas.

image2

 Km Pace/100m Zeit
1,7 1:45 29:47
 2,1  1:26  30:24
 3,8  1:35  1:00:12

Der erste Wechsel stand an und da es recht kühl war, galt es sich gut zu kleiden für die kommenden 182 km auf der Rennsemmel. Also raus aus der schwarzen Pelle und rein in das Funktionsshirt, das Trikot und die Weste oben drüber. Socken an, in die Radschuhe geschlüpft sowie die Startnummer und den Helm an. Die Radstrecke war landschaftlich sehr schön. Der Großteil der Radstrecke führte über Feldwege, die zum Teil mit Waschbetonplatten ausgelegt waren. Also im Großen und Ganzen alles andere als eine typische Rollerstrecke. Ende Mai war ich jedoch mit einem Freund, der ebenfalls am Start war bereits ein Wochenende in Maas und so war mir die Radstrecke und die Laufstrecke bereits bekannt und ich wusste worauf es ankam. Locker mit Frequenz über die unzähligen Rampen und Wellen drücken und bergab sowie auf den flachen Passagen das Tempo angenehm zügig halten. Leider fing es bereits noch in der ersten Runde an zu regnen und aus dem eh schon anspruchsvollen Kurs wurde nun auch noch ein rutschiger anspruchsvoller Kurs. Jeder kann sich vorstellen wie unangenehm nasse Feldwege auf einem Rennradreifen sind. Also galt es die Kurven mit viel Gefühl zu durchfahren und auf jeden Fall einen Sturz zu vermeiden. Bei Kilometer 54 und folglich auch 144 wurde für uns über eine Hauptstraße eine Brücke gebaut mit Holzplatten. Eine extrem doofe Idee! Denn Holzplatten bei Regen = GEFAHR!!! Ich hatte Glück und konnte die Brücke in der ersten Runde unfallfrei überfahren und in der zweiten Runde war die Passage der Radstrecke abgetrocknet. Wie ich gehört habe, gab es aber an der Stelle einige Stürze. Trotz der 2000 AthletInnen war es auf der Radstrecke stellenweise sehr einsam man hatte viel Zeit sich mental auf das kommende einzustellen und sein Ding durchzuziehen. Nach 5:35 Stunden und einem 32,6er Schnitt bei 203 NP rollte ich wieder in die Wechselzone. Ich hatte mich gut ernährt, die Muskulatur fühlte sich noch gut an und der Kreislauf war top.

image4

image3_3

Der zweite Wechsel dauerte sehr lange ich war komplett nass. Also raus aus den Radklamotten, bis auf die Hose und frische trockene Sachen an. Schnell noch ein paar reibungsempfindliche Körperstellen geschmiert und los ging er, mein erster Marathon.

image5

Die ersten vier Kilometer waren super. Schön locker peilte ich die 4:50-5:00 Pace an und alles war top! Die Supportercrew war am Start und Stimmung in Maastricht war Spitze. Doch dann fing die Prozedur an. Mein Magen machte mir einen Strich durch die Rechnung. Die nächsten 24 Kilometer waren brutal. Beine waren Gut! Kopf und Kreislauf top! Aber der Magen verkrampfte sich und jeder Schritt sehr unangenehm. Nach sechs Boxenstopps und unzähligen Gehpausen löste sich die Verkrampfung etwas und ich konnte wieder einigermaßen schmerzfrei laufen. Also noch 14
Kilometer, jetzt galt es sich weiter gut zu verpflegen und locker weiter zu laufen, in der Hoffnung, dass die letzte von vier Runden einigermaßen Beschwerdefrei läuft. So kam es dann auch. Mit der
Unterstützung meiner Supporter, die an dem Tag einen super Job machten und den unzähligen Zuschauern in Maastricht gelang es mir meinen ersten Marathon in 3:58 Std zu beenden. Und dann kamen die Worte, auf die ich mich schon sehr lange freute: „YOU ARE AN IRONMAN“ GEIL! Unglaublich! Wahnsinnig emotional! Nach 10:44:39 Stunden finishte ich meinen ersten Ironman. Mega glücklich und sehr dankbar für die Unterstützung meiner Wegbegleiter fiel ich in den Stuhl im Zielbereich und gönnte mir erstmal ein alkohlfreies Bier. :-)

An der Stelle nochmal vielen Dank an alle, die mich auf dem Weg zur Ziellinie begleitet haben. Ohne euch wäre diese Mission nicht so einfach von Statten gegangen. Sei es die gemeinsamen Trainingseinheiten, die guten Gespräche mit vielen wertvollen Tipps oder einfach nur aufbauende Worte. Vielen DANK!

Schlagwörter:

Über Simon