{"id":4760,"date":"2014-10-08T12:51:32","date_gmt":"2014-10-08T11:51:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/?p=4760"},"modified":"2014-10-08T12:51:32","modified_gmt":"2014-10-08T11:51:32","slug":"ironman-copenhagen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/?p=4760","title":{"rendered":"Ironman Copenhagen"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: center;\">Erlebnisbericht vom KMD Ironman Copenhagen 2014<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4776 \" src=\"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-9-1024x768.jpg\" alt=\"Foto 9\" width=\"361\" height=\"271\" srcset=\"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-9-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-9-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-9.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 361px) 100vw, 361px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDas mache ich nie wieder!\u201c Angeblich waren das meine ersten Worten im September 2012, auf dem Marktplatz in Aix-en-Provance. Ob ich sie wirklich so, direkt nach dem Ziel meiner ersten Mitteldistanz gesagt habe, wei\u00df ich nicht mehr. Etwas ist mir aber im Kopf geblieben: Wie k\u00f6nnen Mensche die doppelte Distanz bew\u00e4ltigen? Vollkommen bescheuert. So etwas mache ich definitiv nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Samstag, 23.08.2014, es ist 17 Uhr und ich schiebe mein SpeedConcept in eine Wechselzone. F\u00fcr mich bedeutet dieser Augenblick mehr als nur die Radabgabe und das aufh\u00e4ngen der Wechselbeutel. Ich stehe kurz vor dem Ziel. Insgesamt acht Monate habe ich mich auf dieses Wochenende konzentriert. Habe geschwitzt, \u00f6fters gelitten, aber auch viel Spa\u00df und Freude gehabt. Ich habe mich in dieser Zeit sportlich neu entdeckt. Keine harten Einheiten im Winter. Kein Bahntraining im Fr\u00fchling, stattdessen lange L\u00e4ufe und Radausfahrten, alles immer ganz kontrolliert. Und morgen soll dann Zahltag sein. Noch 15 Stunden bis zum Start meines ersten Ironman. Das wollte ich doch nie machen! Mit einem riesigen Respekt. Habe ich die Leute nicht immer f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt, die sich so etwas antun? In 15 Stunden starte ich wirklich selbst! So richtig begreifen kann ich es nicht. Ich schaue mich in der Wechselzone um und sehe eine Menge, eine gro\u00dfe Menge sehr fit aussehender Menschen. Auch was links und rechts neben mir geparkt wird ist nur das Feinste was man aus s\u00e4mtlichen Radl\u00e4den weltweit beziehen kann. Es ist irgendwie eine andere Triathlonwelt, als die mir bekannte. Nicht nur das die Wettkampfbesprechung ein zwanzigmin\u00fctiger HD Film ist oder die Startnummern bis 2800 gehen. Hier sind Menschen aus aller Welt zusammen gekommen, um am n\u00e4chsten Morgen die Fr\u00fcchte zu ernten, die sie sich in den letzten Monaten antrainiert haben. Genau das sp\u00fcrt man. Alles l\u00e4uft sehr konzentriert und mit einer gewissen Anspannung ab. Geredet wird hier nicht viel, auch nicht gelacht. Jeder geht seiner eigenen Sache nach. Au\u00dfen, auf der anderen Seite der Absperrgitter stehen ganz viele Supporter &#8211; einige andere Ausrichter w\u00fcrden sich freuen so viele Zuschauer am Renntag begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Sie beobachten ihre Athleten, auch in ihren Gesichtern sieht man die Anspannung. Haben sie in den letzten Monaten hautnah miterlebt, wie man sich auf diesen Tag vorbereitet hat und auch sie haben Entbehrungen hinnehmen m\u00fcssen.<br \/>\nMit einem sehr flauen Gef\u00fchl im Magen verlasse ich die Wechselzone. Das Gef\u00fchl in mir kann ich nur sehr schwer beschreiben. Ich habe unheimlich Bock endlich los zu legen. Aber muss das ausgerechnet morgen sein? Bin ich wirklich daf\u00fcr bereit? Ok, ein zur\u00fcck gibt es nicht mehr. Das Rad ist eingecheckt, wenn ich wieder auf dieser kleinen Halbinsel stehe ist Racetime!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Merkw\u00fcrdigerweise habe ich in der Nacht vor dem Rennen richtig gut geschlafen und wache gut erholt mit dem Wecker auf. Ein Vorteil in der vorletzten Startgruppe zu sein, ist das sp\u00e4te Aufstehen. Um 5:35 Uhr beginnt mein l\u00e4ngster Tag. Ohne Kaffee geht nichts und so treffen sich nacheinander alle in der K\u00fcche. Geredet wird nicht viel. Gott sei dank! Jeder geht seiner Besch\u00e4ftigung nach. Die einen schmieren sich Br\u00f6tchen und ich bereite die Trinkflaschen vor. Um 6:30 Uhr geht es Richtung Start und mir ist schlecht! Gef\u00fchlt ist heute wirklich nicht der Tag um einen Ironman zu machen. Kann man das nicht irgendwie verschieben, zum Beispiel auf morgen? Nein, kann man wohl nicht. Also muss ich da jetzt durch. Am Rad werden der Computer und die Flaschen platziert. Noch mal der Reifendruck gepr\u00fcft und der Wechselplatz des Rades eingepr\u00e4gt. Neben der Wechselzone laufen sich die Mitstreiter meiner Startwelle bereits warm. Mit leichtem Trab und Armkreisen mache ich mit. Hauptsache man lenkt sich ab. W\u00e4hrenddessen geht eine Startwelle nach der anderen ins Rennen. Die Gl\u00fccklichen, sir d\u00fcrfen schon los! Noch 20 Minuten bis zum Start. Jetzt hei\u00dft es rein in den Neo. Rei\u00dfverschluss zu. Zwei Schwimmkappen auf den Kopf, Brille in der Hand, Verabschiedung von den Supportern. Mit knapp 400 weiteren Jungs meiner Altersklasse begebe ich mich in den Vorstartbereich. Die Startgruppe vor uns ist gerade auf ihre 226km Reise geschickt worden. Jetzt sind wir dran. Noch sieben Minuten bis zum Start. Wir stehen am Strand und schauen auf das 18 Grad warme Wasser. Eines ist aber auch hier wie immer. Aus der Anspannung wird Vorfreude. Nicht nur ich, auch die Jungs um mich herum k\u00f6nnen es jetzt nicht mehr abwarten, endlich loszulegen. Der Countdown l\u00e4uft. In der letzten Minute werden die Sekunden herunter gez\u00e4hlt. Bei der Zahl One piept es um mich herum, alle Uhren werden gestartet und mit dem darauf folgenden Knall st\u00fcrmen wir ins Wasser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist sehr frisch, um die Wassertemperatur freundlich zu umschreiben. Allerdings wusste ich, was auf mich zukommt. In den Tagen zuvor bin ich zur Racetime immer geschwommen und das Gef\u00fchl von Hirnfrost war mir bereits bekannt. Die Schwimmstrecke in Kopenhagen empfinde ich als sehr gutm\u00fctig. Lediglich zwei Wendebojen gilt es bei 1600 Meter und 3200 zu umschwimmen. Ansonsten geht es nur geradeaus. Die drei Br\u00fccken, die auf dem Hinweg, wie auch auf dem R\u00fcckweg zu durchschwimmen sind, bieten eine sehr gute Orientierung und Einteilung der 3,8 Km. Die meiste Zeit ist es ein sehr entspanntes Schwimmen. Es gibt keine Pr\u00fcgelei und ich finde schnell meinen Rhythmus. Erst bei 3000 Meter schwimmen wir auf viele Starter der vorherigen Startgruppen auf und es wird sehr voll auf der Schwimmstrecke. Nach der letzten Wendeboje wird der Schwimmausstieg anvisiert. Genau nach Raceplan erh\u00f6he ich die Beinfrequenz und schwimme die letzten Meter der Sonne entgegen. Als ich mich Aufrichte und den Bootsanleger hoch renne, schaue ich auf die Uhr und sie springt gerade von 59:59 auf 1:00:00 um. Unglaublich! Ich feiere mich innerlich weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4777 \" src=\"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-10.jpg\" alt=\"Foto 10\" width=\"333\" height=\"444\" srcset=\"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-10.jpg 600w, http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Foto-10-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gewonnen Zeit gegen\u00fcber meiner errechneten Schwimmzeit verliere ich dann gleich im Wechselzelt. Das ist bis obenhin voll mit Athleten. Da wir mit unserer Gruppe auf die fr\u00fcher gestarteten Gruppen aufgeschwommen sind, hocken zirka 500 Menschen in dem Wechselzelt. Chaos hoch zehn! Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit finde ich ein Pl\u00e4tzchen und bereite mich auf das Radfahren vor. Socken und Schuhe an, Helm auf, Neo und Schwimmbrille in den Beutel und ab geht\u2019s Richtung Rad. Es ist ein sehr sch\u00f6nes Gef\u00fchl an die Radst\u00e4nder zu kommen und das eigene Rad steht nicht alleine verloren da, wie so oft in der Liga. Mit dieser Motivation schnappe ich mir mein kleines Flugzeug und st\u00fcrme Richtung Radaufstieg. Die ersten Kilometer sind genau so, wie es alle gesagt haben, ich muss mich stark zur\u00fcck halten. Gef\u00fchlt geht eine Menge, aber es ist auch noch eine Menge zu fahren. Die Wattzahlen im Blick fliege ich trotzdem an unz\u00e4hligen Athleten vorbei. Diese Kette von Triathleten wird auch bis Kilometer 120 nicht aufh\u00f6ren, erst dann lichtet sich das Feld sp\u00fcrbar. Nach 20 Minuten trinke ich das erste Mal etwas. Nach dem vielen Salzwasser ist das der erste kritische Punkt f\u00fcr mich. Bekomme ich Magenprobleme oder l\u00e4uft es wie geplant. Alles ist gut und ich kann mit meinem Rhythmus, alle 12 Minuten Gel einwerfen, beginnen. An den Wind habe ich mich in den letzten Tagen bereits gew\u00f6hnt, Freunde werden wir wohl nie, warum das so ist erfahre ich sp\u00e4ter auf der Radstrecke. Jedenfalls weht ein ordentliches L\u00fcftchen. Die D\u00e4nen nennen ihn den \u201eWestern\u201c. Er ist sehr selten, aber daf\u00fcr unvergesslich \u2013 SUPER! Die ersten 40 Kilometer sind sehr flach direkt an der K\u00fcste. In dem kleinen K\u00fcstenort Humleb\u00e4k biegt man ins Landesinnere ab. Ab diesem Punkt wird es richtig hart. Neben dem Wind, der jetzt im \u00dcbrigen direkt von vorne kommt, gesellen sich nette, nicht enden wollende H\u00fcgel hinzu. Im Vorfeld sind wir die Radstrecke mit dem Auto abgefahren und mir viel etwas die Kinnlade herunter, als wir eine Welle nach der anderen passierten. Immer in der Hoffnung, die falschen Stra\u00dfen zu fahren. Dem ist nicht so. Es geht wirklich hier entlang und somit hoch und runter.<br \/>\nWas absolut toll ist, die D\u00e4nen feiern sich am Rand der Strecke selbst, trotz einsetzendem Regen sind ganze Familien vor ihren H\u00e4usern und H\u00f6fen und machen in den Ortschaften richtig Stimmung. Teilweise stehen die Einheimischen im T-Shirt und kurzer Hose dort, in der zweiten, regennassen Runde auch noch. Unsere n\u00f6rdlichen Nachbarn scheinen eine andere Vorstellung von Sommer zu haben.<br \/>\nDie Kilometer vergehen wie im Flug. St\u00e4ndig \u00fcberhole ich Starter der anderen Startgruppen, kontrolliere meine Leistungswerte und verpflege mich nach meinem Plan. Im Kopf setze ich mir immer kleine Zwischenziele. Bei Kilometer 80 erreiche ich eine Ortsdurchfahrt mit Kopfsteinpflaster. Am Rand liegen einige Radcomputer, Flaschen, Ersatzschl\u00e4uche und alles was man sonst so mitnimmt. Mit einem gro\u00dfen Gang versuche ich das Durchsch\u00fctteln so ertr\u00e4glich wie m\u00f6glich zu halten. Die Vorfreude auf meine Fangruppe ist nach diesem Ort riesig. Wir hatten ausgemacht, uns kurz vor dem Ende der ersten Runde zu sehen. In einer langgezogenen Linkskurve standen sie alle. F\u00fcr einen kurzen Augenblick f\u00fchlte ich mich nicht auf mich alleine gestellt. Allerdings geht die Vorbeifahrt sehr schnell. Ich h\u00f6re meinen Namen und schon geht es Richtung zweite Runde.<br \/>\nDas n\u00e4chste Mal sehe ich sie nach dem Radfahren. Bis dahin gilt es aber erst einmal die Gelflasche nachzuf\u00fcllen und weiter konzentriert zu bleiben. Ich freue mich auf die lange Gerade am Strand entlang. Dort gab es zwei Stunden zuvor Wind schr\u00e4g von hinten und ich habe mir vorgenommen, den Schnitt jetzt etwas zu erh\u00f6hen und Tempo zuzulegen. Mit einer langgezogenen Kurve f\u00e4hrt man aus den H\u00e4userschluchten hinaus auf den Strandweg, die Ern\u00fcchterung tritt sehr schnell ein. Der Wind hat gedreht. Jetzt bl\u00e4st er schr\u00e4g von vorne gegen das Rad. Na toll! Ich bleibe bei meinem Vorhaben, erh\u00f6he etwas die Wattzahl, nur mit dem Tempo aufnehmen wird es nichts. Jetzt hei\u00dft es Tempo halten und nicht \u00fcberzocken. Ich kontrolliere noch intensiver die Wattzahlen und bewege mich jetzt am oberen Limit. Von einigen Athleten kann ich mich in dieser Rennphase l\u00f6sen. Es geht weiter voran. Positiv an dem gedrehten Wind ist die Tatsache, dass im Hinterland bei den Wellen der Wind nicht mehr direkt von vorne weht. So vergehen die Kilometer und ehe ich mich versehe, komme ich wieder bei der mit Kopfsteinpflaster versehenen Ortsdurchfahrt vorbei. Kilometer 160 ist geschafft und meine Gelflasche neigt sich dem Ende entgegen. Es wird also Zeit Richtung Wechselzone zu gelangen. Das hatte ich mir zwar mit dem Gel anders ausgerechnet, aber leer ist nun mal leer. Mit einigen rechts-links Kombinationen werden wir nach Kopenhagen zur\u00fcck gef\u00fchrt. Der Radcomputer zeigt noch zirka einen Kilometer bis zur Wechselzone an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Langsam bereite ich mich auf den Wechsel vor. Im Vorfeld habe ich mich f\u00fcr normale Radschuhe mit Schnallen entschieden, da ich mit ihnen einen besseren Druck auf das Pedal bringen kann. Diese lassen sich nicht ganz so leicht \u00f6ffnen und ich ben\u00f6tige etwas mehr Zeit um aus dem Schuh zu kommen. Als ich auf die letzten 200 Meter Richtung Wechselzone einbiege, bin ich aus den Schuhen raus, stehe auf ihnen und fahre auf die Wechselzone zu. Im Anbremsen, kurz vor dem Abspringen passiert es dann. Mein rechter Schuh fliegt aus dem Pedal, ich rutsche ab, will mich am Lenker festhalten und ziehe dabei die Vorderradbremse. Kraft der Physik bleibt das Vorderrad stehen und das Hinterrad \u00fcberholt uns. Somit habe ich eine ganz spezielle Abstiegsvariante hingelegt, zum Nachahmen ist sie aber nicht zu empfehlen. Mein Rad wird von den Helfern gleich aufgehoben und weggeschoben und mit einem m\u00e4chtigen Adrenalinkick begebe ich mich zu meinem Laufbeutel und in das T2 Zelt. Meine rechtes Knie blutet wie verr\u00fcckt und sogleich kommt ein Helfer und erkundigt sich nach meinem Befinden. Keine Ahnung, was ich ihm geantwortet habe, ich will nur so schnell wie m\u00f6glich raus auf die Laufstrecke. Der Helm kommt in den Beutel und schon wird dieser auf einen gro\u00dfen Haufen geworfen. Bereits am Ausgang der Wechselzone f\u00e4llt mir ein, ich habe vergessen mein Gel in der Wechselzone zu nehmen. Da muss ich jetzt wohl durch und schnellstm\u00f6glich die n\u00e4chste Verpflegung ansteuern.<br \/>\nIn Kopenhagen darf an jeder Verpflegung auch eigene Verpflegung von Supportern angenommen werden. An der ersten Station steht Marco und reicht mir bei Kilometer 2,5 das ersehnte Gel. Vorher nehme ich noch Wasser, Cola und wieder Wasser zu mir. Dieser Rhythmus wurde im Vorfeld geplant und auch bei den langen Koppell\u00e4ufen hatte ich es ausgetestet. Ich f\u00fchle mich gut und die Menschen am Streckenrand sind der Wahnsinn. Hinzu kommen meine Supporter, die sich optimal an der Strecke verteilt haben. Durch die vielen Wendepunkte komme ich h\u00e4ufig an bestimmten Stellen vorbei und ich habe das Gef\u00fchl st\u00e4ndig jemanden bei mir zu haben. Wie wichtig das noch f\u00fcr mich ist, erahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Im Moment l\u00e4uft es rund. Ich habe mich bei meiner Pace eingependelt und die f\u00fchlt sich sehr gut an. F\u00fcr den Kopf und die Kn\u00f6chel ist der Abschnitt am Pier sehr herausfordernd. Sehr unebenes Kopfsteinpflaster und ewige Geraden f\u00fchren etwas aus der Innenstadt heraus. In der ersten Runde nehme ich es f\u00fcr den Kopf noch nicht als so anstr\u00e4ngend war, allerdings leiden bereits die Kn\u00f6chel jetzt schon sehr. Das positive an der Strecke, raus zu den gro\u00dfen Passagierschiffen, ist das Rundenb\u00e4ndchen, welches am Wendepunkt einem \u00fcbergestreift wird. Nach dem Band geht es zur\u00fcck in die Innenstadt und zur\u00fcck zu den bekannten Gesichtern. Es l\u00e4uft super und ich verpflege mich weiterhin mit Wasser, Cola, Wasser. Zur\u00fcck in der Innenstadt wird es am Himmel immer dunkler. Von dem blauen Himmel am Morgen ist nichts mehr zu sehen, auch wird es immer k\u00fchler. Eine Anzeige an einer H\u00e4userwand zeigt nur noch 11 Grad an und ich w\u00fcnsche mir jetzt eine Jacke. Die habe ich aber nicht, die Gedanken also sofort wieder verdr\u00e4ngen und weiter geht es. Alles l\u00e4uft nach Plan und ich hole mir das zweite Band. Kilometer 15 ist geschafft. Von der kleinen Meerjungfrau geht es abermals zur\u00fcck in die Innenstadt. Der n\u00e4chste Durchlauf am Ziel sieht allerdings alles andere als nach Plan aus. Kurz bevor ich die City wieder erreiche, ist die Energie weg. Die komplette K\u00f6rperspannung ist raus. Sofort stelle ich auf Notfallplan um. Verringere das Tempo, was anderes w\u00e4re auch nicht gegangen, und schleppe mich zur n\u00e4chsten Verpflegungsstation. Ich nehme alles, was ich bekommen kann und hoffe, wieder aus dem Loch zu kommen. Zirka eine Minute verliere ich jetzt auf den Kilometer. Im Moment interessiert mich dieser Umstand weniger. Ich m\u00f6chte nur nicht noch weiter in ein Loch fallen. Das Tempo wird erst einmal beibehalten. Von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation gedacht. Einige laufen jetzt an mir vorbei und ich \u00fcberhole nur noch sehr wenige. Vom Kopf her wird es jetzt auf dem Pier sehr hart. Vor allem wenn ich mir die Kilometerangaben ansehe. Ich befinde mich auf der dritten Runde und da steht etwas mit Round 3 = 26k, darunter Round 4 = 36k. Oh man, ich muss hier noch mal raus und jetzt geht schon nicht mehr viel. Das wird ein Spa\u00df! Hinzu kommt ein abartiger Regen. Die Menschen an der Strecke haben sich unter die Br\u00fccken oder in Kaffees gefl\u00fcchtet. Die Temperatur betr\u00e4gt 8 Grad und die Stimmung hat sich der Pace angepasst \u2013 sie ist sehr stark abgerutscht. Ich bekomme das dritte Band und als ich an den Jungs mit dem vierten Band vorbei laufe, schaue ich sie wahrscheinlich sehr sehnsuchtsvoll an. Jetzt hei\u00dft es bei\u00dfen, bis ich wieder in der Innenstadt bin. An die vielen Trainingsstunden soll ich denken, an etwas was mir Halt gibt und an die Leute zu Hause, die fiebernd am Computer sitzen, wurde mir vorher als Tipp genannt wenn es mal nicht laufen soll. Neben den vielen Bechern Wasser, Cola und Red Bull treibt mich das weiter an. Am ganzen K\u00f6rper habe ich G\u00e4nsehaut und mir ist bitter kalt. Endlich komme ich am Zielbereich an und muss nur noch einmal daran vorbei laufen. Der Regen hat wieder aufgeh\u00f6rt, meine Suporter treiben mich noch einmal zur letzten Runde an. Viel geht nicht mehr. Aber ich wei\u00df, ich werde ankommen. Das befl\u00fcgelt noch einmal und l\u00e4sst den Weg an der Pier nicht mehr ganz so schrecklich erscheinen. Dann kommt das letztes Band an meinen Arm und es sind nur noch knappe 6 Kilometer. Der nervige R\u00fcckweg in die Innenstadt vergeht jetzt wie im Flug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All die Schmerzen der letzten zwei Stunden sind weg. Und dann darf ich endlich rechts in den Zielkanal einbiegen. Ganz viele Dinge schie\u00dfen mir durch den Kopf. Die vielen Stunden Training immer mit dem Fokus auf diesen Tag, diesen Moment. An all die Helfer, die ich in den letzten Monaten hatten und die mir den Weg hierher erleichtert haben. Beim Durchlaufen des Zielbogens bin ich einfach nur \u00fcberw\u00e4ltigt und schlagartig fertig. Ich kann mich nur noch hinsetzen, bekomme meine Medaille und eine W\u00e4rmefolie. Ich habe es geschafft. Ich bin im Ziel. Ironman. Trotz dieser Bezeichnung kommen Tr\u00e4nen. Ich muss an meinen Opa denken. Er war ein Sportverr\u00fcckter und mit ihm habe ich das erste Mal etwas von Triathlon und Ironman geh\u00f6rt, damals als kleiner Junger. Ich muss in diesen Minuten daran zur\u00fcck denken. Er ist sicher m\u00e4chtig stolz mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ironman, was soll ich sagen? Viele vor mir haben es geschafft, viele nach mir werden es schaffen. Das ich irgendwann einmal einer bin, daran habe ich eigentlich nie gedacht, so ein Verr\u00fcckter, der den ganzen Tag \u00fcber einen Wettkampf in drei Disziplinen macht. Die vermeintlichen Worte aus Aix-en-Provance habe ich bewahrheitet, eine Mitteldistanz habe ich nicht noch einmal gemacht.<br \/>\nAber einen Ironman werde ich bestimmt noch einmal angehen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 9:33:44 h habe ich die Ziellinie \u00fcberquert.<br \/>\nEs war ein langer Weg, den ich ohne die viele Unterst\u00fctzung nicht h\u00e4tte meistern k\u00f6nnen. Daf\u00fcr m\u00f6chte ich mich riesig bei meinen Eltern und der Familie bedanken, ihr habt mir 8 Monate den R\u00fccken frei gehalten. Auch ein gro\u00dfes Dankesch\u00f6n an die Malle Trainingsgruppe um Marco, Martin, Meike und Jule. Nicht nur das ihr die vielen Trainingsstunden mit mir geteilt habt, auch das ihr hier wart und mich angefeuert habt, ist mega! Genau so wie Sigrid, Sabrina, Sabine und Jens!!!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein riesiges Dankesch\u00f6n an die Jungs daheim &#8211; Marco, Manollo und Niklas, die mit mir unz\u00e4hlige Stunden trainiert haben. Genauso wie Janne&#8230; Du hast mir vorgemacht wie es geht!<br \/>\nDanke an alle, die mitgefiebert haben und gestern vor dem Rechner sa\u00dfen und mir die Daumen gedr\u00fcckt haben. Das hat mich in der schweren Zeit beim Laufen immer wieder angetrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei drei Personen m\u00f6chte ich mich aber ganz speziell bedanken:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Maren, es war riesig wie du in den letzten Monaten hinter mir gestanden hast und ich mein Ding durchziehen konnte. Du hast mich mit all den Macken hin genommen und mich bei jeder Gelegenheit unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">J\u00fcrgen, danke f\u00fcr deinen Masterplan. Du bist der Kopf dieser Aktion und es hat mir sehr viel R\u00fcckhalt gegeben, dich in der Vorbereitung an meiner Seite zu wissen. \u00d6fters habe ich dich im Training verflucht &#8230; Aber das war nie ernst gemeint! Ich bin dir f\u00fcr deine Trainingsideen sehr dankbar und nat\u00fcrlich f\u00fcr diese Rakete unter meinem Hintern!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Opa, du warst die ganze Zeit bei mir und hast mir zugesehen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.8.2014 Ironman Copenhagen<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":4779,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[171],"tags":[8],"class_list":["post-4760","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-triathlonduathlon-2014","tag-oliver-lieblein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4760"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4760\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4778,"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4760\/revisions\/4778"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4779"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tri-team-fuldatal.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}